Stellungnahme des Schiris (Rund um Fußball)

Udo @, Sonntag, 08.12.2019, 16:55 (vor 327 Tagen) @ Alsodoch
bearbeitet von Udo, Sonntag, 08.12.2019, 17:00

aus dem Kicker

- Foul vom VAR bestätigt, daher kein Review auf dem Platz vorgesehen. In sich schlüssig argumentiert. Ich mag da nur weiter bei dem kleinen Kontakt kein Foul erkennen, das war für mich eine Bewegung im Kampf um den Ball, den Kunde auch zuerst, vor dem Kontakt, gespielt hat...


Genau so sieht es aus, was da gesagt wird ist ein hanebüchener Rechtefertigungsversuch.

naja, es ist schon das vorgeschriebene Vorgehen:

der VAR muss eine klare Fehlentscheidung erkennen um zum Anschauen der Bilder zu raten.
Das hat er nicht getan. das ist (leider) das ganz normale und so gewollte Geschäft beim VAR-Einsatz: selbst bei den 4 Grundsituationen, die zu überprüfen sind, muss eine klare Fehlentscheidung vorliegen um ein Nachprüfen zu veranlassen.

Alles andere -was diese Situation ein wenig aus der Menge der Entscheidungen heraushebt- ist Beiwerk. der Ort des Vergehens muss kontrolliert werden, dazu muss der SR keine Bilder sehen.

Der oben genannte Ansatz zeigt erneut die Crux des ganzen Gebildes: niemand hat so richtig Bock auf ständige Unterbrechungen - schon gar nicht, wenn damit ein Torjubel zerstört wird. Sieht man eine Entscheidung anders als gepfiffen, will man als Team dann aber doch lieber die Kontrolle - in der ernsthaften Überzeugung, niemand könne anders entscheiden als man selber denkt, wenn man erstmal die Bilder sieht.

In unserem Fall wird es in der Wahrnehmung noch schwieriger: der VAR greift ein, aber nicht, weil er eine klare Fehlentscheidung das Foul betreffend sieht, sondern weil -völlig zu Recht- den Ort neu bewertet.
In der Wahrnehmung kommt an: er hat nur den Ort "verlegt" aber das Foul nicht bewertet.

Die Argumentation oben bedutet also übersetzt: hätte der SR Elfmeter gepfiffen, hätte sich der VAR nicht gemeldet. Das passiert oft. Jedenfalls , wenn es um ein "einfaches" Foul geht. Wann ist den zuletzt ein solcher Elfer zurückgenommen worden? Was muss dann da sein: eine Schwalbe, das Fehlen jeglicher Berührung oder aber wir gehen in das super weite Feld des Handspiels - hier übt sich VAR und SR an den neuesten Interpreationsvorgaben und man reklamiert schon mal. Aber solche Entscheidungen, die wir alle als Fehlentscheidungen werten, schaffen die Hürde "klare Fehlentscheidung".

Hier, wo sich mancher eine doppelte oder dreifache Prüfung wünscht, ist der VAR nach den Regeln gar nicht wirklich gefragt - das ganz normale Foul ist im Grunde in einer eben solchen Grauzone, wie das Handspiel. Würde man hier auch mehr an der Definition basteln, würden wir wohl mehr Eingreifen des VAR sehen. Aber was würde es denn zu einer klaren Fehlentscheidung machen, was wir hier gesehen haben? Oder genauer: was macht es zu einer "nicht klaren Fehlentscheidung? Kunde hat den Ball gespielt, die Berührung danach war eine handelsübliche Berührung, nicht mal mehr wirklich in einem Zweikampf. Aber ist es eine klare Fehlentscheidung, eine Berührung als Foul zu sehen? Wir haben ja nicht einmal -wie beim Handspiel- den wachsweichen Begriff der Absicht.

Wie neulich schon diskutiert: der VAR diskreditiert sich in den Augen vieler genau durch seine Grundregeln: gnadenlose, milimetergenaue Ja/nein - Entscheidungen ohne die Möglichkeit das oft bemühte Fingerspitzengefühl anzuwenden steht gegen die Forderung den SR nicht zu bevormunden, wenn er eine Entscheidung nach mehr oder weniger weichen Kriterien getroffen wurde, für die das Kriterium "nicht klar falsch" vergeben wird.

Das betroffene Team möchte oft auf die Konsequenz in beiden Entscheidungsgruppen verzichten. Gerechtigkeit haben sich die meisten anders vorgestellt.

Zum Schluß nochmal die formalen Seiten:

Es ist VAR-regelkonform, dass bei einem gegebenen Freistoß durch den VAR geprüft wird, ob der Ort nicht doch im Strafraum war.
Stellt er das fest muss er so entscheiden, wie bei einem Elfmeterpfiff, also für sich entscheiden , ob auf Foul zu entscheiden, eine klare Fehlentscheidung war.

Sieht er das nicht so, ist der Hinweis auf den Ort notwendig, der aber nicht mehr vom SR am Bildschirm zu überprüfen ist.

Es ist als explizit nicht so, dass der VAR sozusagen gar nicht registrieren muss, dass da ein Freistoß gepfiffen wurde und der dann sagen muss, oh, da gab es aber ein Foul im Strafraum, für das es keinen Elfer gab. Dann nämlich müsste er entscheiden, ob es klarer Fehler war, den Elfer nicht zu geben. (man merkt schon, dass es so rum noch weniger Sinnmachen würde).
Das heisst aber auch: die Frage heisst eben nicht: "hätte der VAR sich gemeldet, wenn der SR gar nicht gepfiffen hätte".


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