Probleme des Fussballs (Rund um Fußball)

Stege90 @, Montag, 20.01.2020, 14:58 (vor 38 Tagen)

Im Spieltagsthread wurde sich ja erneut über den Zuschauerschwund "beschwert". Ich habe für mich persönlich mal hinterfragt, wieso auch bei mir das Interesse an Mainz 05 immer mehr schwindet.

Der „moderne“ Fußball zerstört für mich die Seele dieser eigentlich so tollen Sportart. Da kann Mainz 05 gar nicht so viel für.
Spätestens seit den football leaks-Veröffentlichungen ist mir klar geworden, wie chancenlos wir Fans doch sind. Sei es DFB, DFL, Spielerberater, Spieler, UEFA und auch die FIFA, überall entscheidet das Geld. Es geht einzig allein um Gewinnmaximierung. Ausnahmen bestätigen die Regel, halten das ganze aber nicht auf.

Der Fisch fängthier vom Kopf an zu stinken. Überlegen wir uns mal, was die FIFA für eine Macht hat. Sie hat direkten Zugriff auf die Weltpolitik. Alle möglichen Geldgeber dürfen investieren. Mittelherkunft spielt keine Rolle. Nach Blatter dachte man es kann nur noch bergauf gehen, weit gefehlt. Der Reformer Infantino hat ganz schnell verstanden wie er an der Macht bleiben kann. Die FIFA ist durch und durch korrupt. Die Politik will oder kann hier nichts ausrichten. Da braucht es schon die höchsten Strafverfolgungsbehörden, wie zB CIA, damit irgend etwas aufgedeckt wird. Wird einer überführt, ersetzt man ihn aber einfach durch ein neues Äffchen.
Das ganze System Fußball ist krank. Es gibt kein Limit, solange es ums Geld geht. Mafiöse Strukturen sind keine Seltenheit.

Die UEFA hätte als starker Verband die Möglichkeit da gegenzusteuern, aber auch da sieht es nicht anders aus. Gewinnmaximierung steht über allem. Immer mehr Wettbewerbe und Spiele, gar eigene Ligen sind in Planung. Hauptsache es lässt sich mehr Geld verdienen. Da nützt es auch nichts, dass Klopp sich regelmäßig darüber beschwert. Auch wenn Trainer und Spieler von dem ganzen profitieren, sind sie letztendlich nur die Gefängnisinsassen. Weißt du als Gefangener wie das Spiel läuft, kannst auch du deine Gewinne maximieren (Gewinne fiktiv in Steuerparadiese verschieben).
Wir Fans sind das dumme Fußvolk, das zu bezahlen hat, was einem vorgesetzt wird. Die Spieler sind Steuerhinterzieher? Messi, Ronaldo und unzählige weitere Stars bescheißen ein armes Spanien mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit? Die spanischen Vereine schulden hunderte Millionen an Steuern? Egal, der so saubere FC Barcelona (mes que un club; jahrelang gratis Triktotwerbung für unicef) bezahlt Messi sogar noch die Strafe für die Steuerhinterziehung.

Beim DFB wundert man sich tatsächlich warum die Kunden nicht die Heimspiele besuchen. „Die Mannschaft“, #ZSMMN, Anstoßzeiten und Ticketpreise haben vieles zerstört. Ich glaube auch nicht, dass die 15 € Stehplätze jetzt alles wieder gut machen. Es ist gut, weil so auch wieder die jüngeren Leute ihre Stars sehen können, aber auch nur ein Anfang. Bei der Übersättigung an Fußball wüsste ich nicht, warum ich mir persönlich ein Spiel „der Mannschaft“ anschauen sollte. Die Spieler nutzen Länderspielpausen lieber um ihre Blessuren auszukurieren bzw. um überhaupt mal eine Pause zu bekommen. Wir Fans aber sollen jeden Tag Fußball gucken, möglichst auch mehrere Spieler hintereinander.

Die ganzen oben geschilderten „Probleme“ halten immer mehr Einzug in den deutschen Fußball. Als aktuelle Extreme sind da RB, aber auch die Hertha zu nennen. Investoren, die teils gar keine Ahnung von Fußball haben, sehen nur das Geld und die unbegrenzten Möglichkeiten im Fußball. Diesen Weg werden nach und nach immer mehr „Vereine“ gehen, so dass man am Ende mitzieht oder von der Landkarte verschwindet.

Um die Kurve zurück zu Mainz zu bekommen. Mainz 05 ist noch ein normaler Verein, ohne externen Großsponsor. Wir können uns noch glücklich schätzen. In 10 Jahren blicken wir vielleicht zurück und weinen dieser schönen Zeit nach.
Warum ist meine Leidenschaft für Mainz 05 in den letzten Jahren also immer mehr gestorben? Weil ich für mich persönlich realisiert habe, dass Mainz 05 nichts ausrichten kann, um den Fußball zu retten. Die handelnden Personen leisten gute Arbeit und geben ihr Bestes. Letztendlich geben aber FIFA und UEFA die Regeln vor.
Ich habe mittlerweile eine Liebe für den American Football entwickelt. Der salary cap (jedes Team hat das selbe maximale Gehaltsbudget zur Verfügung) und der jährliche Draft (schlechtestes Team darf sich den besten College-Spieler aussuchen) sorgen dafür, dass nicht Geld allein den Sport regiert. Gute Arbeit wird belohnt, schlechte bestraft. Die Saison erstreckt sich von September bis Anfang Februar. Dazwischen sind 6-7 Monate "Pause". Man freut sich auf jedes der 16 Saisonspiele (plus evtl 3-4 Playoff-Spiele) seines Teams.

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