ups. und nu (Rund um Fußball)

stadiontourist, Sonntag, 10.11.2019, 22:51 (vor 11 Tagen) @ scheisstribüne

Nach dem gestrigen Zwischenstand von 0:3 und dem Gefühl, gleich fällt das 0:4, überkam mich der Verdacht, dass es für Sandor Schwarz eng werden könnte. Ich hatte am Anfang der Saison tatsächlich den Eindruck, die Mannschaft stabilisiere sich und könne ihre technischen Fertigkeiten immer besser mobilisieren.
Ich war nie Fußballer in einer Mannschaft (und dazu auch noch ein ziemlich schlechter) und kann nur spekulieren, was in den Köpfen von Spielern vorgeht, wenn viele Aktionen auf dem Platz misslingen und die Sicherheit für das eigene Spiel und die Organisation der Mannschaft allmählich verloren geht. Entscheidungen werden zu schnell getroffen oder verzögert, das Timing geht verloren, der Kopf bremst oder ist im entscheidenden Moment überfordert. Gibt es ausreichend positive Gelegenheiten, die das Selbstbewusstsein festigen, kann sich vielleicht ein Gleichgewicht zwischen Negativ- und Erfolgserlebnissen einstellen. Aber es waren eher Niederlagen, die ermutigten. Die drei Siege waren nach meiner Einschätzung erzwungen (bis auf Paderborn) und lösten nicht gerade Euphorie aus. Und doch gab es in fast jedem Spiel Momente, die mich staunen und auf Besserung hoffen ließen.
Ja, Sandro Schwarz wird Fehler gemacht haben, er ist vielleicht nicht der Taktikfuchs wie Tuchel und der intelligente Motivator wie Klopp. Aber wirklich beurteilen, können wir es wohl alle nur sehr eingeschränkt. Er wird schon seine Qualitäten haben, und ich wünsche ihm sehr, dass er diese bei einem anderen Verein nachweisen kann. Die schwierigen zwei Saisons führten nicht allein mit Glück zum Klassenerhalt. Er hatte eine Sprache, die die Mannschaft verstand, er hatte Ideen und ein Gefühl für das Spiel, und er war immer glaubwürdig. Den Rhetorikern Tuchel und Klopp verzieh man schon mal eher, als dem Ur-Mainzer Schwarz.

Am Ende zählten die negativen Ergebnisse. Dass meist verschiedene Elemente für sie verantwortlich sind, die zudem einem massiven Zeit- und Ergebnisdruck und einer hohen Erwartungshaltung unterliegen, wird oft als zu kompliziert eingeschätzt. Es ist immer leichter sie an Unfähigkeiten einzelner Menschen (Trainer, Spielern) oder mangelnden Charaktereigenschaften festzumachen.

Resignation und Unsicherheit gab es in vielen Spielen, mangelnden Ehrgeiz oder Einsatz habe ich nicht gesehen. Der Ruf nach einem harten Kerl, der der Mannschaft Disziplin beibringt, führt ganz sicher nicht zu langfristigem Erfolg. Moderne Trainer müssen individuell fördern und fordern, sie müssen einen Zugang zu jedem Spieler finden, um die Maximalleistung zu entwickeln.

Ich habe schon den Eindruck, dass Rouven Schröder und die meisten Verantwortlichen hier sehr genau schauen werden und eine sinnvolle Entscheidung treffen.

Sandor Schwarz wünsche ich Menschen, die ihm in der nächsten Zeit beistehen und vor allem Ruhe, um die vergangenen Wochen und Monate aufarbeiten zu können.


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