Sportjournalismus und Vereins-PR (Rund um Fußball)

Handgottesseinvater, Freitag, 03.05.2019, 09:53 (vor 108 Tagen)

Hier ein interessanter Artikel. Zwar nichts wirklich Überraschendes, aber trotzdem wichtig, die Rolle des Sportjournalismus ab und zu zu reflektieren.
Die geringe Bereitschaft der PR-Abteilungen, sich zu äussern, spricht für sich.

https://www.jungewelt.de/artikel/354071.fußball-keine-pr-maschine.html

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Sportjournalismus und Vereins-PR

MPO @, Fürth, Freitag, 03.05.2019, 10:05 (vor 108 Tagen) @ Handgottesseinvater

Klubvertreter stellen Gegenfragen wie diese: Wenn Reporterberichte kaum Einblicke ins Innere eines Vereins vermitteln, welchen Wert haben diese dann? Buschmann gibt zu bedenken: Klubmedien können ein Korrektiv sein, »um unsachlicher, falscher Berichterstattung etwas entgegenstellen zu können«. Haltermann spricht auch an: Solange arrivierte Medien Redaktionen zusammenlegen, Journalisten wegrationalisieren und immer öfter Recherchestandards vermissen lassen, »stellt sich die Frage, in welche Richtung der Journalismus steuert«.

Das ist ein gewichtiger Punkt. Journalisten stehen unter dem Druck, "lesenswerte" Artikel schreiben zu müssen. Das heißt nicht, dass die neutral und faktenbasiert sein müssen, sondern sie müssen aufregend und/oder emotional sein. Und deswegen greifen fast alle Journalisten - speziell in der Fußballberichterstattung - dann gerne in die Dramen und Skandale-Kiste. Und wenn sie dort nichts finden, dann kann man problemlos was erfinden. Irgendeiner sitzt immer auf der Bank oder hat beim Tor eines anderen Spielers nicht mitgemurmelt.

Und für die meisten Journalisten scheint es zu schwer, wirklich was vom Fußball zu verstehen. Hört man in die Presserunden vor und nach einem Spiel rein, dann ist das Niveau so dünn, dass man es unter einer Ameise durchschieben kann.

Laaser zufolge bleibt die Aufgabe der kritischen Medien, Nachrichten von PR zu trennen, Meinungen darzustellen und Missstände aufzuzeigen. Sollten diese irgendwann einmal wegbrechen, »werden wir eine andere Gesellschaft haben«, mahnt Berger.

Ja. Allerdings sehe ich ehrlich gesagt eher die große Gefahr, dass sich "kritische Presse" deutlich mehr als Hetzermedium präsentiert. Die nicht auf Misstände aufmerksam macht, sondern instrumentalisiert wird für bestimmte Zwecke. Die BILD ist da ja schon lange "Vorreiter" in dem Bereich. Da wird jahrzehntelang gegen Ausländer gehetzt - den Ertrag und Nutzen davon sieht man ja. Das deutsche Reich ist ja wieder erwacht...

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Motto: "Promote What You Love, Don't Bash What You Hate"
#Critter

Sportjournalismus und Vereins-PR

Handgottesseinvater, Freitag, 03.05.2019, 10:36 (vor 108 Tagen) @ MPO

Laaser zufolge bleibt die Aufgabe der kritischen Medien, Nachrichten von PR zu trennen, Meinungen darzustellen und Missstände aufzuzeigen. Sollten diese irgendwann einmal wegbrechen, »werden wir eine andere Gesellschaft haben«, mahnt Berger.


Ja. Allerdings sehe ich ehrlich gesagt eher die große Gefahr, dass sich "kritische Presse" deutlich mehr als Hetzermedium präsentiert. Die nicht auf Misstände aufmerksam macht, sondern instrumentalisiert wird für bestimmte Zwecke. Die BILD ist da ja schon lange "Vorreiter" in dem Bereich. Da wird jahrzehntelang gegen Ausländer gehetzt - den Ertrag und Nutzen davon sieht man ja. Das deutsche Reich ist ja wieder erwacht...

da liegt der systemhase im pfeffer: Wenn information ware ist, muss man sie verkaufen. das passt zwar genausowenig, wie wohnraum zur ware zu machen – heisst aber nicht, dass es nicht passiert. wenn du klicks willst, musst du skandale versprechen. aber selbstverständlich keine, die dem geschäft insgesamt schaden würden.

kritische öffentlichkeit heisst demgegenüber, zu differenzieren – was nur mit der von dir eingeforderten sachkunde geht. ein guter sportjournalist muss m.E. nicht nur fachlich fit sein, sondern das was auf und neben dem platz passiert auch noch gesellschaftlich einordnen. oder zumindest einordnen können, denn nicht jeder kreisklassebericht muss adorno zitieren.

ohne den aktiven journalist*innen zu nahe treten zu wollen, aber recherche und hintergrundkenntnis braucht zeit. wo soll die herkommen, wenn journalismus letztlich nach renditegesichtspunkten betrieben werden muss? ich vermute, dass letztlich auch hier unter jede menge druck gearbeitet werden muss und nicht alle, die im tv auftreten so blöd sind, wie sie oft rüberkommen...

letztlich laufen auch in der deutschen medienlandschaft die fäden bei einigen wenigen zusammen und wer nicht geschluckt werden will, muss wachsen.

zur rolle der vereine:
der sportjournalismus erinnert teilweise an den "embedded journalism", der mit dem irakkrieg 2 geboostet wurde. (und: natürlich kann man das vergleichen, auch wenn der vergleich hinkt.)

insiderkenntnissse fehlen mir, aber an den ergebnissen, die ich lese, glaube ich ein paar trends erkennen zu können.

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Sportjournalismus und Vereins-PR

MPO @, Fürth, Freitag, 03.05.2019, 10:57 (vor 108 Tagen) @ Handgottesseinvater

da liegt der systemhase im pfeffer: Wenn information ware ist, muss man sie verkaufen. das passt zwar genausowenig, wie wohnraum zur ware zu machen – heisst aber nicht, dass es nicht passiert.

Das ist ziemlich gut formuliert. Und bitter.

kritische öffentlichkeit heisst demgegenüber, zu differenzieren – was nur mit der von dir eingeforderten sachkunde geht. ein guter sportjournalist muss m.E. nicht nur fachlich fit sein, sondern das was auf und neben dem platz passiert auch noch gesellschaftlich einordnen. oder zumindest einordnen können, denn nicht jeder kreisklassebericht muss adorno zitieren.

Eine gewisse Sachkunde sollte immer vorhanden sein bei dem Thema, über das man berichtet. Auch, um die neutralen, manchmal auch geschönten Informationen von (bleiben wir beim Sport, da bin ich relativ griffig) Vereinen etwas auseinanderzunehmen und den wahren Kern rauszuholen.

Und ja, auch das "gesellschaftlich" einordnen finde ich einen ziemlich guten Punkt. Im Sport hält man sich noch relativ gut in Sachen Ausländerfreundlichkeit und Multikulti, wobei auch da immer mal wieder so Sachen wie "Mainz hat mehr Spieler vom Kongo als Rheinhessen" durchbrechen. Ausserhalb des Sports wird das aber stetig krasser.

ohne den aktiven journalist*innen zu nahe treten zu wollen, aber recherche und hintergrundkenntnis braucht zeit. wo soll die herkommen, wenn journalismus letztlich nach renditegesichtspunkten betrieben werden muss?

Gibt 2 Zielpunkte: Erster und "Bester". Letzteres halt wieder unter den Vorgaben, was sich eben gut verkauft. Witzigerweise: Journalisten, die sich intensiv mit dem Thema Fußball (konkret: auf dem Platz) beschäftigen, bleiben dann auch nicht lange Journalisten. Siehe Spielverlagerung.de, wo die erste Autorenriege mittlerweile nicht mehr schreibt. Einer ist demnächst (hochdotierter) Co-Trainer bei Gladbach, ein anderer vielgefragter Buchautor, andere trainieren auch stetig höherklassig. Und die meisten arbeite(te)n schon nebenher für professionelle Analyse-Firmen. Es steckt da einfach absurd viel Geld drin. Wer lange Sportjournalist bleibt, zeigt vor allem, dass er nicht für viel mehr taugt als für den Boulevard. Ganz böse gesagt: Was Rehberg so schreibt, krieg ich auch noch hin.

ich vermute, dass letztlich auch hier unter jede menge druck gearbeitet werden muss und nicht alle, die im tv auftreten so blöd sind, wie sie oft rüberkommen...

Ich denke, teils-teils. Opdenhövel, der ja durchaus als Fußballfan gilt, ist im Niveau auch extrem schwach und kommt über Phrasen nicht hinaus. Und verfolgt auch eher die Hetzerlinie (und auch nur mit Phrasen, nicht fachlich-kritisch). Vor die Kamera oder ans Mikrofon kommst du halt auch nur als Verkäufer von heißer Ware. Und deswegen landen da meistens Heißmacher, und keine Fachleute.

zur rolle der vereine:
der sportjournalismus erinnert teilweise an den "embedded journalism", der mit dem irakkrieg 2 geboostet wurde. (und: natürlich kann man das vergleichen, auch wenn der vergleich hinkt.)

Es geht eben auch einfach viel um die Deutungshoheit. Stand der Dinge kannst und darfst du diese nicht den Medien überlassen. BILD & Co. haben gezeigt, dass komplette Vorgänge ins Gegenteil verdreht und "verkauft" werden, weil es gegen ihre Interessen ging. Ergo muss man quasi dafür sorgen, dass entgegengesteuert wird.*

Wir haben selbst vor kurzem einen kleinen Medienkrieg in Mainz gehabt, wo dann bestimmte "Journalisten" dann massiv Stimmung gemacht haben. Obs zum Guten war, sei mal dahingestellt. Das Ergebnis ist irgendwo in Ordnung, aber das, was medial da inszeniert wurde, fand ich definitiv nicht ok. Zudem war es offensichtlich, dass bestimmte Leute, die an Posten interessiert waren, da auch kräftig mitgeholfen und gefüttert haben. Die Nach-23-Uhr-Infos an den Kicker bspw. sind da schon eine Aussage...

* = Deswegen widerspreche ich auch hier so oft und so massiv Leuten, die primär nur pöbeln oder Dinge als "wahr" und gesetzt beschreiben, die so eben nicht sind. Wenn man nur solchen Leuten (wie auf Facebook) den Platz überlässt, dann ist das so ein bisserl wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Es ist wichtig, dass man seine eigene Meinung kund tut, auch wenn man dafür (verbal) auf die Fresse kriegt. Das schließt auch eine Pöblermeinung ein, aber es gibt große Unterschiede zwischen Pöbeln/Beleidigen und konstruktiver/respektvoller Kritik. Letzteres ist wichtig.

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Sportjournalismus und Vereins-PR

Handgottesseinvater, Freitag, 03.05.2019, 11:00 (vor 108 Tagen) @ MPO

deine ausführungen zeigen, dass foren ein teil von (gegen-)öffentlichkeit sein können...
two thumbs up und weiter so!

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Sportjournalismus und Vereins-PR

Alsodoch @, Berlin / Mainz - Kastel, Freitag, 03.05.2019, 20:03 (vor 107 Tagen) @ MPO

Klubvertreter stellen Gegenfragen wie diese: Wenn Reporterberichte kaum Einblicke ins Innere eines Vereins vermitteln, welchen Wert haben diese dann? Buschmann gibt zu bedenken: Klubmedien können ein Korrektiv sein, »um unsachlicher, falscher Berichterstattung etwas entgegenstellen zu können«. Haltermann spricht auch an: Solange arrivierte Medien Redaktionen zusammenlegen, Journalisten wegrationalisieren und immer öfter Recherchestandards vermissen lassen, »stellt sich die Frage, in welche Richtung der Journalismus steuert«.


Das ist ein gewichtiger Punkt. Journalisten stehen unter dem Druck, "lesenswerte" Artikel schreiben zu müssen. Das heißt nicht, dass die neutral und faktenbasiert sein müssen, sondern sie müssen aufregend und/oder emotional sein. Und deswegen greifen fast alle Journalisten - speziell in der Fußballberichterstattung - dann gerne in die Dramen und Skandale-Kiste. Und wenn sie dort nichts finden, dann kann man problemlos was erfinden. Irgendeiner sitzt immer auf der Bank oder hat beim Tor eines anderen Spielers nicht mitgemurmelt.

Und für die meisten Journalisten scheint es zu schwer, wirklich was vom Fußball zu verstehen. Hört man in die Presserunden vor und nach einem Spiel rein, dann ist das Niveau so dünn, dass man es unter einer Ameise durchschieben kann.

Ist ja nicht so, dass das nur auf Sport oder Fußball zutrifft.
Wie schreibt Kachelmann so treffend: Klickschlampesk oder Vollpfostenjournalismus, wenn's um Wetter oder Klima geht.

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SC Rapide Wedding 1893 e. V.
https://unerhoertundauserlesen.wordpress.com

Sportjournalismus und Vereins-PR

PLANITZER, Montag, 06.05.2019, 10:59 (vor 105 Tagen) @ MPO

...auch zu dem hier diskutierten Thema gibt es am

DO, 04. Juli (11h bis 13h)

eine offene Diskussionsrunde im Fanhaus (KnR).
Thema: Arbeitstitel: Print am Ende

mit:
Tabea Rösner, (Medienpolitische Sprecherin B90/Grüne)
Stefan Schulz (Ex-FAZ; Podcaster: Aufwachen Podcast, Talkradio - Autor von "Redaktionsschluss - die Zeit nach der Zeitung")
Tanjev Schultz (Ex-Süddeutsche; jetzt Professor and der JGU Mainz - Journalistik)

Erwartet wird, dass einige Studierende aus dem Bereich Journalistik/Publizistik, bzw. Studiengruppen von Hr. Schultz als Gäste der offenen Diskussion (Fishbowl)beiwohnen.
Deshalb auch diese Anfangszeit.

Eintritt frei!

Gilt auch für alle anderen Interessierte.

Sportjournalismus und Vereins-PR

MPO @, Fürth, Montag, 06.05.2019, 11:10 (vor 104 Tagen) @ PLANITZER

Thema: Arbeitstitel: Print am Ende

IMO wird es immer eine kleine Nische für Print-Magazine/Zeitungen geben. Nur eben aber eine Nische, kein Markt. Smartphones und eBook-Reader sind in jeder Hinsicht schneller und praktischer. Und Print-Produkte haben viel an Qualität verloren. Weitere Teile der jüngeren Generationen wachsen auf mit einer Anti-BILD-Haltung (gottseidank), entweder aus Überzeugung oder generell, weil sie News via Smartphone lesen und da eher andere Anlaufstellen nutzen.

Ich kenne 3 Verlage selbst (habe Freunde dort) und keinem von denen geht es gut. Sie funktionieren, so irgendwie, aber bei allen wird ein bisserl die Luft angehalten und eher gespart. Und ehrlich gesagt: So wirklich gut reagieren alle 3 nicht auf die heutigen Gegebenheiten. Bei allen dreien wird vor allem an der Qualität der Berichterstattung gespart. Volontäre schreiben die Artikel, ein paar wenige Redakteure, die man mit Namen kennt, korrigieren diese dann und schreiben ihren Namen dann drunter - thats it.

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Motto: "Promote What You Love, Don't Bash What You Hate"
#Critter

Sportjournalismus und Vereins-PR

Handgottesseinvater, Dienstag, 07.05.2019, 04:36 (vor 104 Tagen) @ PLANITZER

...auch zu dem hier diskutierten Thema gibt es am

DO, 04. Juli (11h bis 13h)

eine offene Diskussionsrunde im Fanhaus (KnR).
Thema: Arbeitstitel: Print am Ende

mit:
Tabea Rösner, (Medienpolitische Sprecherin B90/Grüne)

jaja, der ob-wahlkampf wirft seine schatten voraus, bis ins fanhaus... wie ist da eigentlich die politische zusammensetzung im vorstand?

bin gespannt, ob andere parteien auch mal ran dürfen...

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