Wolfgang-Frank-Buch - eine Kritik (Rund um Fußball)

PLANITZER ⌂, Montevideo, Sonntag, 12.06.2022, 03:34 (vor 25 Tagen)

Vorab:
Ich sah damals Wolfgang Frank am Bruchweg mehrmals "stundenlang" mit 22 Jungs (jeweils doppelt besetzt) von Hütchen zu Hütchen "springen" um die Viererkette sowie deren jeweilige individuelle Abstände zu verinnerlichen bzw. zu verfeinern.

Das führte dazu, dass ich damals (D2-Trainer bei Fontana Finthen) die Viererkette (nur für die Abwehrformation) einführte.
Kurzum: Wolfgang Frank hatte mich "angefixt".

Zum Buch:
Was meine Generation nicht schon aus eigener Erfahrung oder in Gesprächen mit Ex-Spielern, Manager etc. (das war früher ohne Umstände möglich) schon früher erfuhr oder mitgeteilt bekam, wurde von Mara nunmehr in Buchform zusammengefasst.

Nach dem Studium der Lektüre verfestigte sich bei mir (UNAHÄNGIG von den ERFOLGEN Franks)jedoch folgender, subjektiver Eindruck:

Die Trainerlaufbahn hätte auf zehn oder weniger Seiten zusammengefasst werden können:
- Visionär (bis alle anderen deutschen Trainer die Vorteile der 4er-Kette verstanden)
- menschliches Vorbild
- duldete jedwede Kritik unter Vier Augen
- Esoteriker
- Dickkopp ohne Geduld

Von ersten Trainerstationen im Halbprofibereich (sei es Schweiz, D oder AUT) bis zur 2. Liga D oder höherklassig in AUT und SUI, und zurück in die Niederungen der dritten und vierten Liga konnte Wolfgang Frank, im Gegensatz zu seinen "Jüngern", (vor allem Kloppo) sein taktischen System nicht modifizieren.

Ja, leider scheiterte er nachgerade an "seiner" Idee.

Vor allem, wenn Spieler nicht gewollt waren seine "Mehr-Stunden-Trainingtage" mit stundenlangen, Videoanalysen dauerhaft zu folgen, weil diese mehrheitlich davon überfordert waren.
Symptomatisch dafür ein 4-Augen-Gespräch von Kloppo und Frank. Zitat (sinngemäß) Kloppo: "Trainer. Es ist zuviel. Ich bin überfordert. Das ist alles nicht mehr verarbeitbar".
Gerade Frank, der ansonsten für alles "Neue" aufgeschlossen war, ignorierte Erkenntnisse der Lern- Gehirnleistungen bzw. der Trainingslehre im physischen Kontext ("viel bringt eben nicht viel").

Und dennoch änderte, modifizierte Frank bei seinen zukünftige Clubs seine Trainingsarbeit nicht mehr oder nur an Stellschrauben die wenig Einfluss auf dauerhaft erfolgreiches Arbeiten hatte.

Im folgten nur noch einige "Ex-Spieler" die bereits mit ihm (individuellen) Erfolg hatten und auch von seiner Arbeit per se begeistert waren.

Und Wolfgang Frank verlangte bzw. erhoffte sich bei alle seine Stationen, dass das Umfeld, im Verein, in der Stadt, bei den Fans, genauso schnell seinen, "den" Erfolg sehen und auch mit Begeisterung (dazu zählten auch Zuschauerzahlen etc.) mittragen sollte.

War dies nicht, oder nur kurzfristig der Fall, war er bei all seinen Stationen schnell wieder weg.

Kurzum: Für Vereinsverantwortlichen war er eigentlich auch nicht dauerhaft "auszurechnen, einzuschätzen".

Nach Beendigung des Buches verstärkte sich bei mir der Eindruck:
Mensch, Frank! Bei deinem Intellekt und Wissensdurst hättest du Dich eigentlich selbst mal fragen müssen:
"Warum hatte ich keine hochklassigeren Angebote?
Warum gehe ich immer, wenn´s nicht so (schnell) läuft, wie ich es möchte?
Warum können die "Anderen" meinem Tempo/Begeisterung nicht DAUERHAFT folgen?
Habe ich eine Idee/Vision "abseits" der Viererkette
?"

--
„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der VAR zerstört werden muss“
KarTORgo
https://youtu.be/zx9mVSMFdOU

Wolfgang-Frank-Buch - eine Kritik

Jammerlappe, Buxtehude, Sonntag, 12.06.2022, 19:30 (vor 25 Tagen) @ PLANITZER

Nach Beendigung des Buches verstärkte sich bei mir der Eindruck:
Mensch, Frank! Bei deinem Intellekt und Wissensdurst hättest du Dich eigentlich selbst mal fragen müssen:
"Warum hatte ich keine hochklassigeren Angebote?
Warum gehe ich immer, wenn´s nicht so (schnell) läuft, wie ich es möchte?
Warum können die "Anderen" meinem Tempo/Begeisterung nicht DAUERHAFT folgen?
Habe ich eine Idee/Vision "abseits" der Viererkette
?"

Dass er das gemacht hat geht doch aus den zitierten handschriftlichen Aufzeichnungen hervor.
Heidel hat daraus den Schluss gezogen, dass der Verein die Idee haben muss, für welchen Fußball er steht und dann den passenden Trainer finden muss. Das haben Vereine früher nie gemacht und dann festgestellt, dass Frank zu pushy ist oder die Spieler das alles so nicht wollen.

--
Mein Pronomen ist "er". Damit ich auch Sie in Zukunft richtig ansprechen kann, freue ich mich, wenn Sie mir Ihr Pronomen mitteilen.

Wolfgang-Frank-Buch - eine Kritik

PLANITZER ⌂, Montevideo, Montag, 13.06.2022, 13:56 (vor 24 Tagen) @ Jammerlappe

Heidel hat daraus den Schluss gezogen, dass der Verein die Idee haben muss, für welchen Fußball er steht und dann den passenden Trainer finden muss.

Ja, der DON! Der war halt`auch seiner/der Manager-Zeit in vielen Dingen voraus.

Aber meine "Selbstkritik" kann ich nicht in allen Handaufzeichnungen Wolfgang Franks für die genannten Punkte erkennen. Oder er handelte, wenn dem so war, in gewisser Weise kontraproduktiv.

Exemplarisch nochmals der angesprochene Punkt der überlangen Sitzungen. Wenn seine intelligentesten Spieler (und dazu zähle ich Kloppo) ihn darauf aufmerksam machten und er keine Änderungen (sowohl bei uns und späteren Vereinen) vornahm...dann weis ich nicht...

Aber das ist letztendlich "Jammern" auf hohem Niveau.
Ich las vergebene Chancen auf (dauerhafteren oder höherklassigeren) Erfolg heraus.
Eine Erkenntnis die so ähnlich viele der interviewten Protagonisten gaben.

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„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der VAR zerstört werden muss“
KarTORgo
https://youtu.be/zx9mVSMFdOU

Wolfgang-Frank-Buch - eine Kritik

Jammerlappe, Buxtehude, Montag, 13.06.2022, 19:01 (vor 24 Tagen) @ PLANITZER


Exemplarisch nochmals der angesprochene Punkt der überlangen Sitzungen. Wenn seine intelligentesten Spieler (und dazu zähle ich Kloppo) ihn darauf aufmerksam machten und er keine Änderungen (sowohl bei uns und späteren Vereinen) vornahm...dann weis ich nicht...


Er war halt revolutionär und nicht perfekt ;-)

(Welche großen Revoluzzer waren denn nicht beratungsresistent? :-D )

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Mein Pronomen ist "er". Damit ich auch Sie in Zukunft richtig ansprechen kann, freue ich mich, wenn Sie mir Ihr Pronomen mitteilen.

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