Gehört Politik wirklich nicht in den Fußball? (Alles außer Fußball)
Eine exakte Abgrenzung, wann Politik ins Stadion gehört und wann nicht, ist nicht ganz einfach. Ich kann es aber (für mich!) einigermaßen abgrenzen.
Zunächst mal bedeutet Fußball, dass auf dem Platz und den Rängen unsere Gesellschaft in allen Facetten abgebildet ist. Dementsprechend ergibt sich daraus, dass in diesem Umfeld Diskriminierung gegenüber Fans, Spielern/innen, Stadionbesuchern/innen keinen Platz haben darf und diese sich als Person, auf dem Platz und/oder in ihrem Fansein - soweit sie selbst niemanden beeinträchtigen - ausleben dürfen. In diesem Sinne sehe ich das Stadion (und den Fußball) als Ort bzw. Umfeld, in dem gesellschaftspolitische Themen ihren Platz finden.
Wenn jemand meine Platznachbarin, einen Spieler, einen anderen Fan, Fangemeinschaften... ausschließen/diskriminieren/angreifen möchte und ich mich - die Fangemeinschaft sich - dagegen wende(t), dann ist das durchaus als gesellschaftspolitisches Handeln zu verstehen und im Stadion angemessen. Dann ist es angemessen, dass man sich zu gesellschaftspolitischen Themen positioniert. Ideologien, die rassistisch unterlegt sind, frauenfeindlich, homophob... schließen Teile unserer Stadiongemeinschaft aus und damit ist für mich entsprechendes gesellschaftspolitisches Engagement angebracht.
Gleichermaßen ist sportpolitisches Engagement im Stadion angemessen, bspw. wenn man sich gegen Pläne aus einem Innenministerium wehrt, die Fans betreffen.
Eine Grenze sehe ich zur Parteipolitik, die klar außerhalb der Stadiongemeinschaft steht. Pro Straßenbahnausbau, gegen Windräder, für die Rente mit 45 Beitragsjahren, gegen Merz, für Wüst, für Özdemir, gegen Bas, für höhere Steuern, gegen eine Erbschaftssteuer... hat aus meiner Sicht im Stadion jetzt nichts zu suchen.
Insofern: Ja, Fußball darf politisch sein. Dort, wo (Gesellschafts-)Politik uns im Stadion betrifft.
Was ist jetzt aber bspw. mit dem Transparent beim Heimspiel gegen die Eintracht? "Boycott Antisemitism not Israel" (Meine Fotos zeigen das Transparent nicht komplett und ich habe den Inhalt aus dem Gedächtnis rekonstruiert.)
Auch wenn ich diesem Slogan (und dem Kampf gegen Antisemitismus) zustimme, erschließt sich mir hier im Konkreten nicht der gesellschaftspolitische Bezug, der dies im Stadion kontextuiert. Ich stelle nicht die Berechtigung des Transparentes in Frage, ich frage mich nur nach dem konkreten Anlass! Ich kenne eben nicht die Hintergründe.
(Aufgrund unserer Vereinsgeschichte sehe ich das Engagement gegen Antisemitismus als einen wesentlichen Teil unserer Vereinsidentität. Das Eintreten gegen Antisemitismus ist ja sowieso eine allgemeine gesellschaftspolitische Pflicht und in unserem Verein mit unserem Gründer Eugen Salomon noch mal eine ganz besonders wichtige Verpflichtung.)