Videobeweis - das Regel(miss)verständnis (Rund um Fußball)

Udo @, Montag, 28.01.2019, 12:06 (vor 207 Tagen) @ knightclub

Eine Fußlänge mit kalibrierter Linie


Der Nürnberger Manager hat aber auch schon recht, man sieht in der Szene nicht, wann der Ball abgespielt wurde. Bei 24 fps kann das Abseits schon einen oder zwei Frames danach wieder anders aussehen.

Bewiesen ist für mich bei dem Standbild nur, dass in genau der Einstellung ein Nürnberger den Ball nicht erhalten sollte, aber ob er da auch gerade abgespielt wurde, nicht ersichtlich....

Also, viel Dusel gehabt

erstmal zur Technik. Ok, die Linien müssen natürlich her, wenn man sich ernst nehmen will, hat auch lange gedauert, aber jetzt sind sie kalibriert (weil Bilder ja eine Verzerrung haben, die rausgerechnet werden muss). Sinnbildlich für des große Chaos und Unverständnis steht der Umgang mit dem angeblichen neuen Wort "Doppellinie".
Natürlich muss man zwei Linien zeigen, wenn man Abseits zeigen will. Jede Linie muss sich (verzerrungsfrei usw. usw.) auf einen der beiden relevanten Spieler beziehen, sein relevantes Körperteil berücksichtigen usw. Jeder frühere Darstellungsversuch mit nur einer Linie war eigentlich unvollständig ...
Die Linien sind aber, wie mehrfach angemerkt nur das eine. Sie können (hoffentlich schnell genug) zu jedem Zeitpunkt erstellt werden.
Aber welcher Zeitpunkt? Ich gehe (sehr optimistisch) davon aus, dass man im Zweifel (wenn eine Einstellung nicht Ballabgabe und Stellung der Spieler gleichzeitig zeigt) mit zwei Einstellungen und der identischen Zeitmarke arbeitet: eine zeigt die Ballabgabe, die andere die Doppellinie. Man hat ja aus dem Grund, es hier mit Bruchteilen von Sekunden zu tun zu haben, konkret im Regelwerk festgelegt, dass die Ballabgabe der Zeitpunkt der ersten, nicht der letzten Berührung des Balles ist. (über die Seiteneffekt-Missverständnisse, die diese Regelergänzung brachte, red ich mal gar nicht).

Immer noch optimistisch gehe ich davon aus, dass die Technik somit verlässliche Doppellinien zum exakt richtigen Zeitpunkt liefert.

Und jetzt kommt das Regelmissverständnis (oder der Wahnsinn, wie hier richtig angemerkt wurde): Abseitsstellungen kann man also exakt prüfen. Aha. Also: bei einer Torerzielung wird das gemacht. Punkt. Nichts mit "klare Fehlentscheidung" , nein - man kann mal was genau sagen, also macht man es. Knappheit, "keiner der Spieler hats moniert","von der Bank kam kein Protest" - alles irrelevant: man hat eine Wahrheit, die wird festgestellt. Fertig. Das alles hilft schon nicht mehr, wenn die Frage nach aktiv oder passiv dazu kommt.
Die Doppellinie bei Stindl und irgendeinem Augsburger braucht es nicht. Hier hat der SR was anderes zu entscheiden. Da hat er Ermessensspielraum, da bleibt nur zu schauen, ob er sich eindeutig falsch entschieden hat, da hat man keine klare, messbare Aussage.
Vergleichbar damit ist das leidige Thema Handspiel. Hier kann mit Superslow und Vergrößerung geklärt werden, ob der Ball berührt wurde und mit welchem Körperteil. Im Zweifel geht das auch milimetergenau. Da braucht es keine klare Fehlentscheidung, da sieht man, dass es kein Handspiel war, oder eben doch. Anders bei der Frage, ob das Handspiel strafbar war. Da ist der SR gefragt, da muss er sich schon eindeutig falsch entscheiden um korrigiert zu werden.
Vergleichbar ggf. auch noch die Flugkurve des Balles - war er draussen bei der Ecke, bevor er ins Tor ging? Ok, hier ist die Technik nicht so gut (weil man ja nicht die Torlinientechnik benutzt und im Zweifel nicht die richtige Einstellung hat).

Ergo: wir haben weniger als eine Handvoll Situationen, die klar entschieden werden können, auch wenn es die Augen des SR-Gespanns nicht können. Das wird genutzt, ohne zu sagen: eine klare Fehlentscheidung ist es nicht, weil so genau kann kein SR schauen. (letztere Aussage erwartete z.B. der Nürnberger Trainer aber..)

Konsequenterweise müsste man das auch exakt so sagen: Neben Torlinientechnik gibt es noch Abseits-Stellung-Aufklärung und Ballberührungsfeststellung... Im Zusammenhang mit Toren werden diese Entscheidungen den SR quasi weggenommen. (mit der aus meiner Sicht blöden Konsequenz, dass die SRA (knappes) Abseits lieber nicht mehr vor dem Torschuß anzeigen (sollen), weil man es ja später prüfen kann...)

Neben diesen "technischen Wahrheiten" liefert der Videobeweis dann aber noch die Korrekturmöglichkeit klarer Fehlentscheidungen...

Im übrigen bin ich der Meinung, dass man den Videobeweis eigentlich nicht braucht.


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