Alles zum Heimspiel gegen die "Wölfe"... (Rund um Fußball)

Reppichauer, Dessau, Sunday, 06.11.2022, 18:28 (vor 22 Tagen) @ 04plus01er

" @ QBlock Beteiligte et al.
Bullen Schweine Gesänge sind unterirdisch und machen euch nicht sympathischer"


"Na und? Habe auch nicht mit gemacht. Aber Kritik wird die Staatsgewalt schon aushalten.
Es geht insgesamt um Nullfünf und vom Rest des Stadions hört man in schwierigen Spielsituationen oder nach Niederlagen leider nichts. DerQ Block hat unsere Jungs versucht wieder aufzubauen. Aber manche Leute sind da nach dem 0:3 schon auf dem Heimweg...."

"Rufe wie "Bullen Schweine" ist keine Kritik sondern eine ganz schlimme Beleidigung unserer Ordnungskräfte."

Ich finde, das sind alles wenig differenzierende Aussagen zu einer durchaus kritikwürdigen Berufsgruppe.

Einerseits denke ich schon, dass Gesellschaften nicht ohne Ordnungskräfte auskommen, so sehr ich es mir wünschen würde, schon gar keine derart komplexen wie die, in denen wir leben. Selbst in archaischen Stammeskulturen gab / gibt es Ordnungsgruppen, welche über das friedliche / ordnungsgemäße Zusammenleben wachen und in Konfliktsituationen Eingriffsrechte haben.

In unserer modernen Welt agiert der Polizeiapparat aus machtbewussten Gewohnheiten, die hoffentlich bald vergangene despotische, diktatorische und schlicht paternalistische Phasen ermöglichten, heraus, die aber immer stärker von der Zivilgesellschaft kritisiert werden. Polizei soll bestenfalls fürsorglich wirken, Schwerkriminalität bekämpfen und mit angemessenen, eher weichen Mitteln die öffentliche Ordnung schützen.

Aber gerade in dieser Spannung zwischen geschichtlicher Herkunft und gegenwärtigen Erwartungen, der progressiven Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft zu dienen, entscheiden sich Polizisten häufig gewohnheitsmäßig für die falschen Mittel. Auf bestimmte Gruppen wird eingeprügelt, egal, wie sie sich verhalten, bestimmte andere werden eher geschont, egal wie sie sich verhalten. Eine weitverbreitete konservative, gern ins Diktatorische kippende Grundhaltung tritt immer wieder auf, wird erschreckend sichtbar in strukturellen Ungerechtigkeiten, die dem Selbstverständnis der Mehrheitsgesellschaft eklatant widersprechen. Da werden Einzelne oder Gruppen von Polizisten selbst zu Täter*innen, und wenn ihre Taten bekannt werden, gar vor Gericht verhandelt werden, schützen sie sich gegenseitig, bestärkt durch einen nach wie vor ungebrochenen Korpsgeist. Man deckt sich gegenseitig, egal wie dramatisch das Vergehen war.

Die Opfer solcher Taten sind oft Nichtkartoffeldeutsche, sind sozial irgendwie Auffällige, sind politisch Aufmüpfige, sind nichtregelkonform auftretende Jugendliche.

Dass das Unmut und große Ablehnung erzeugt, ist nicht verwunderlich. Wenn nicht wenige Polizisten scheinbar grundsätzlich außer acht lassen, dass sie jede*n Menschen gleich ansehen und behandeln müssen, fällt es leicht zu vergessen, dass es auch einen normalen Polizeidienst fern ideologischer Konflikte gibt und vor allem: auch Polizist*innen, die ihren Dienst mit Anstand und im Sinne ihres demokratischen Auftrages ausüben.

Trotzdem ich mich eindeutig auf seiten der Polizeikritiker*innen bewege, habe ich mir abgewöhnt, Polizist*innen pauschal als Bullen oder Kühe oder ähnliches zu bezeichnen. Kritik am System Polizei muss sein, aber nicht auf diese unsachliche Art. Das System Polizei aber unkritisch in Schutz zu nehmen, ist seltsam blauäugig. Polizei ist ein Machtapparat, der gezähmt werden muss. Durch Demokratisierung, durch Öffnung für zivilgesellschaftliche Kontrolle, durch Aufbrechen ihres Korpsgeistes. Polizei muss erkennen, dass wir, jeder von uns, ihr*e Arbeitgeber*in ist. Und dann können wir hoffentlich auch gelassener mit ihnen, unseren Angestellten, umgehen. ;-)

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