Übrigens was zu Identifikation, Sprache etc. (2 Einträge) (Rund um Fußball)

Schöppsche, Dienstag, 05.01.2021, 14:45 (vor 21 Tagen) @ Alsodoch

Für alle, die sich immer so auf die Sprache und mangelnde Identifikation stürzen.
Diese PK war ein Musterbeispiel, dass die Sprache kein primärer Indikator ist, ob man sich mit einem Verein, einer Stadt oder den Leuten identifiziert. Sie ist ein Indikator von vielen. Dänisch, englisch, deutsch ist vollkommen egal, es geht einzig und allein darum, was grundsätzlich von den Spielern verlangt wird, wie man miteinander umgeht, wie man sich auf und neben dem Platz verhält.
Wenn man Bo und auch Martin so zu hört, dann bekommt man direkt den Eindruck wie wichtig es ist, den Fokus auf die einfachsten Grundsätze menschlichen Miteinanders zu legen. Es nützt nichts ständig Dinge anzuprangern und Fehler aufzuzeigen, man muss aktiv diese Einstellung leben und den Menschen erklären wieso es wichtig ist sich daran zu halten.
Ein mangelndes Interesse an etwas kann auch daher kommen, dass man sich nicht wohl fühlt und sich nicht akzeptiert fühlt. Da wird vom Spieler verlangt den Verein und die Region zu respektieren, aber umgekehrt wird er vielleicht gar nicht so respektiert oder auf ihn eingegangen, es wird nur verlangt.
Wir Deutschen denken immer, man muss das von zu Hause aus doch mitbringen, wie kann das sein, dass der die Sprache nicht lernt? wieso hängt er ständig am Handy usw. ? Die Vorwürfe mögen ja alle stimmen, aber es bringt einfach nur ständig den Finger zu erheben und Sanktionen anzudrohen oder MUSS-Regeln aufzustellen. Da sind wir wahrlich Weltmeister drin. Schaff Lösunugsansätze.
Mit Jungen Menschen (im übrigen gelten Menschen laut SGB bis 27 als jung) zu arbeiten bedarf eben auch eine enorme Anstrengung. Heute vielleicht mehr als früher. Die Gesellschaft hat sich verändert. Der Druck ist nicht nur im Profifußball enorm hoch. Das Handy spielt ne riesen Rolle in deren Leben. Wenn man nicht anfängt ständig zu erklären und das Geforderte auch zu leben, wieso es vielleicht besser ist mal nicht dort hinein zu schauen und sich lieber mit den Kollegen zu reden, gemeinsame Dinge zu machen, außer FIFA spielen, dann schafft das kein Vertrauen.
Es geht um Authentizität. Wer sich das Interview mit Neven angeschaut hat oder heute den Artikel im Kicker gelesen hat mit Höwedes und Schürrle, dann sieht man ja eine Entwicklung bei denen. Die sind teilweise noch Kinder, wenn sie anfangen so unglaublich viel Geld zu verdienen, wie ichs mir gar nicht vorstellen kann. Wo bitte sollen sie lernen, wie man mit Menschen umgeht? wie man sich vielleicht besser in der Gesellschaft verhält? Auf welche Werte es ankommt, um sich selbst auch besser einzuordnen?
Der moderne Fußball bietet diese Entwicklung doch kaum noch, die Gesellschaft bietet diese Entwicklung doch gar nicht mehr! Die Bedeutung des Elternhauses ist sooo wichtig, aber bei vielen Kickern ist doch ein gutes Elternhaus gar nicht gegeben oder die Jungs sind kaum zu Hause gewesen oder kommen aus schwierigen Verhältnissen oder aus angeblich und scheinbar guten und dort ist war der Druck enorm hoch oder gibt ganz andere Probleme. Da sind doch so viele Faktoren im Spiel, die man hier nur so schwer alle aufzählen kann.
Wie funktioniert denn das NLZ inklusive die Profiabteilung? Fast alles ist nur auf den Sport ausgerichtet. Es geht nur ums Buisness. Macht ja auch durchaus irgendwo Sinn. Aber wieso haben auch Vereine wie Dortmund Probleme mit vielen Jungen Spielern? Ich kann es natürlich nicht beweisen aber ich behaupte mal , dass der Profisport Fußball so extrem sich gewandelt hat und alle sportlichen Bereiche, u.a. Infrastruktur, Trainingsvoraussetzungen, erweiterter Staff usw., sich entwickelt hat, dass wohl viele junge Spieler damit nicht klar kommen, weil der Mensch auf der Strecke bleibt. Mehr denn je sind die Jungs mit äußeren Einflüssen konfrontiert. Überlegt mal was einem allein durch FIFA da um die Ohren fliegt oder Instagram, was angeblich wichtig ist und was nicht. Da ist ein dickes Auto das mindeste was du haben musst mit 18.
Ich behaupte, je mehr man sich in der Führungsebene des Vereins klar ist, dass dieser softe Faktor heute mehr denn je eine Rolle spielt und man dann versucht durch Authentizität, vielen und ständigen Erklärungen, durch Vorleben einer gemeinsamen Richtung, eines bestimmten gemeinsamen Verhaltens im gesamten Verein die Jungs aktiv mitnimmt und sie mit gestalten lässt, dann werden die Jungs auch anfangen über ihr Verhalten nachzudenken und auch von sich aus die Sprache lernen.


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