Emotional verloren (Rund um Fußball)

haadruffwienix, Samstag, 03.10.2020, 13:09 (vor 17 Tagen) @ Nope

Irgendwie hat es sich die ganze Zeit angedeutet, aber gestern wurde es für mich persönlich leider deutlich. Entweder hat mich der Verein, oder ich den Verein emotional verloren.

Ich war das erste mal 1988 zu einem erschreckenden 0:0 gegen Salmrohr oben und habe, wie viele andere hier, als Kind in der staubigen und sandigen Gegengerade gesessen - Bei einem gefühlten Zuschauerschnitt von 1.000.

Ich habe mitgefiebert und mitgelitten. Aufstiege, Abstiege, zittern bis zum letzten Spieltag. ein 6:2 in Bochum, usw. Ich habe gefühlt mit dem Verein alles erlebt. Das ist aber nicht das Thema. Es geht mir nicht um Erfolge oder Misserfolge - In den letzten 3-4 Jahren habe ich immer mehr gemerkt, dass mir der Verein emotional abhanden gekommen ist.

Ein bezeichnender Tiefpunkt war vor einigen Wochen, als Tipico mich angeschrieben hat, dass mir eine 5€-Gratiswette zur Verfügung steht. Ich habe diese blind auf einen Sieg von Havelse in Mainz gesetzt. Quote 30. Da habe ich erstmal gemerkt, wie egal mir es hier schon war. Naja, was heißt egal: Ich habe sogar gehofft, dass mein Wettschein gewinnt.

Gestern habe schon beim 1:0 keine Reaktion mehr gezeigt und je länger das Spiel lief, desto mehr merkte ich, dass es mir schon fast egal gewesen wäre, wenn dort Wolfsburg gegen Dortmund gezeigt worden wäre. Es war einfach nur noch ein Fußballspiel. „Mein Verein“ von damals, all diese Geschichten und Erinnerungen, die ich damit verbinde, waren/sind nicht mehr da, bzw. nur noch in meinem Kopf.

Wir hatten als Mainz 05 nie die größten Techniker, aber es war immer ein Wille auf dem Platz zu erkennen. Heute erlebe ich mein Mainz 05 so, dass die Worte in den PK wichtiger sind als die Taten auf dem Platz, bzw. das diese komplett gegensätzlich zueinander sind. Wir haben viele Schritte nach vorne gemacht. Beispielsweise haben wir eine ganz tolle Marketingkampagne mit einheitlichem Auftreten und Corporate Design. Toll. Aber wir haben meiner Meinung nach die Basics vergessen: Fußball spielen. Pässe zum eigenen Mann bringen, laufen, kämpfen, gemeinsam.

Ich weiß nicht genau, warum ich mich kaum noch emotional zu meinem Verein hingezogen fühle, aber ich merke immer mehr, wie egal mir das wird. Leider.


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