WM: Frankreich - Belgien (Rund um Fußball)

MPO ⌂, Franken, Wednesday, 11. July 2018, 09:39 (vor 12 Tagen) @ eberennterwiederlos

Abgesehen davon wird es interessant zu beobachten, wo der ja hier auch zum Teil in epischer Breite propagierte Ballnesitzfußnall hinläuft. Die WM hat jedenfalls anderes bisher gezeigt und auch Kovac als neuer Bayern-Trainer relativiert ihn.

Unkommentiert mag ich das nicht stehen lassen. ;-)

Die Diskussion pro/kontra Ballbesitz wird wohl ewig laufen, speziell in Deutschland.

Kurz zur Definition: Als Ballbesitzfußball deklariere ich das, was Guardiola macht. Der Fokus liegt auf BallBESITZ. Man will den Ball haben, behalten und aus diesem heraus Tore erzielen. Der Impuls nach einem Ballgewinn liegt dann auch eher auf Zirkulation und nicht auf Vertikalspiel, das wäre dann eher Gegenpressingstil, wie ihn Klopp oder Rangnick propagieren.

Mal zur WM: Die beiden großen Mannschaften, die das gespielt haben, nämlich Spanien und Deutschland sind recht zeitig raus. Das lag weniger an der Idee Ballbesitz generell (Spanien wurde mit explizitem Ballbesitzspiel 2xEM und 1xWM), sondern eher an der Umsetzung. Deutschland scheiterte, weil ein paar Spieler unter ihrer Leistung spielten (Khedira vor allem) und das personell nicht abgefangen werden konnte. Richtig gut wurde es mit Rudy, bis der dann aus dem Turnier getreten wurde (ganz simpel gesagt - es war noch mehr im Busch, aber das ist so die Kernstelle). Spanien wollte daraus lernen, spielte im Zentrum deutlich defensiver und wurde dadurch sehr torungefährlich. Der extrem kurzfristige Trainerwechsel befeuerte das sehr. Die meisten anderen Teams (Argentinien) spielten nicht auf Ballbesitz, sondern wurden eher von den Gegnern dazu gezwungen. So weit zur WM.

Wenn du den passenden Kader hast - und dabei geht es nicht um reine Leistungsstärke, sondern um Rollen - dann ist der Fokus auf Ballbesitzspiel gut. Du erlaubst dem Gegner weniger Chancen, die aber hochwertiger sein können, weil der Gegner mehr Raum und Tempo aufnehmen kann. Im Idealfall - und Guardiola kriegt das sehr oft hin - hat der Gegner aber keine Torchance, bestenfalls ein Dutzend Freistöße kurz hinterm Mittelkreis. Bei "konservativerer" Spielweise erlaubst du mehr Torschüsse, die aber schlechtere Chancen haben im Schnitt (mehr Gegner drumherum, enger, kein Tempo und Raum).

Ich vergleiche das Ballbesitzspiel gern mit nem Formel 1 Wagen. Sehr geil, sehr schnell - aber wenn nur Kleinigkeiten nicht passen, kommst du nicht weit damit. Wenn du bspw. von Hamburg nach München fährst, kommst du mit nem Toyota Corolla vermutlich in den meisten Fällen schneller an.

Auf uns gemünzt: Ballbesitz ala Guardiola sehe ich bei uns nicht. Was wir aber brauchen - und was jeder braucht - sind Strukturen, um im Ballbesitz gefährlich zu sein. Persönlich bin ich da ein Fan von Augsburg, die für sich einfach die simpelste Variante entdeckt haben: Ball über die Flügel nach vorne und ab die Flanke. Der Risikofaktor ist minimal und ein hoher Ball im Strafraum ist immer gefährlich.

Schlimm ist es, wenn man stumpf Bälle nur zentral in den Strafraum reinhaut, weil das schwer zu verwerten ist. Da würde auch kein Ibrahimovic helfen. Und das muss verhindert werden, dass uns gegen einen tief mauernden Gegner nichts einfällt. Es muss also ein stimmiger, wenn auch einfacher Offensivplan her und eine Defensive, die gegen anfallende Konter schnell zugreift.

--
"Ich habe in meiner Karriere gestohlen, getrunken, Drogen genommen und ein Schaf entführt. Sorry für alles."
- John Hartson, walisischer Fußballer

http://koomisch.blogspot.de/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum