Arnd Zeigler: Kommentar zur WM (Rund um Fußball)

MPO ⌂, Franken, Wednesday, 04. July 2018, 17:49 (vor 12 Tagen) @ Alcatraz05

Da kann man sich insgesamt sehr anschließen.

Fairerweise ist das aber nichts Neues. Für mich betrifft das auch die Bundesliga, die ebenso mit schwer anzusehendem Fußball "glänzt". Athletisch ist das alles auf einem hohem Level, aber wie schwach Paßspiel und Torschuss bei nahezu allen Beteiligten sind - und im Gegenzug die Schauspielkunst ungeahnte Höhen erreicht - tut schon sehr weh.

Das liegt nicht nur an der Übersättigung. Das liegt meiner Meinung nach an der Geldmenge, die im Spiel ist. Da gibt es viel zu viel monetäres Mitspracherecht für Kleingeister und Finanzhaie. Und bestimmt können sich viele Spieler eben nicht davon befreien, für welche Unsummen sie wie Luxusrinder gehandelt werden, dass viele ihr (absurdes) Gehalt kennen, dass es 6-7stellige Beträge ausmacht, wenn er jetzt ein Tor macht oder einen umbolzt.

Und um den Sport geht es nur begrenzt, eher um Vermarktbarkeit. In Deutschland hat man "entdeckt", dass es wichtig ist, dass Gras gefressen und gerannt und gekämpft wird. Das ist das Grundbedürfnis des Fans an Fußball. Wenn das nicht da ist, dann... kann man schauen, was über Özil so alles abgefeuert wird.

Und neben dieser "Grunderkenntnis" gibt es da einen riesigen Haufen Alteingesessener, die kontrollieren, wie Fußball in DE wahrgenommen wird. Da gibt es die Schiedsrichtergilde, der es nicht um die Sache, sondern um Standing geht. Da schulmeistert der Videomann in Köln den Schiri auf dem Platz mit permanenten Zwischeninfos von Grauzonensituationen. Und auch da schwingt oft generell der Gedanke mit, dass gerne mal für einen Verein entschieden wird, der populärer und "wertvoller" ist.

Oder eben auch die "alten" Medien. Wie der Holzschuh vom Kicker schön verkündet, dass Ballbesitzfußball tot ist - und sich im nächsten Absatz über die deutschen Bundesligisten auslässt, die international versagen (und von denen keiner Ballbesitzfußball spielt, sondern eben Konter/Defensivfußball). Die dann auch die Deutungshoheit über Spieler (Özil - objektiv einer der klar besseren in der N11 bei der WM) oder Trainer (Löw - ach so arrogant und unflexibel - gewann aber den Confed Cup mit taktischen Varianten und einer jungen Mannschaft).

Dazu kommt noch der allgemeine Umschwung an Fans. So "richtige Fans", die wegen ihres Vereins hingehen und den mit Leidenschaft unterstützen - die sterben aus. Ich bin mal so dreist und sage sogar: selbst bei den Ultras sind diese Fans in der Minderheit. Ansonsten nehmen mehr und mehr Event-Fans, quasi Kino- oder Konzertgänger, die Ränge ein. Weil Fußball deutsch und irgendwie hip ist, weil das so schön geerdet und normal ist. Nur ist es das nicht mehr.

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"Ich habe in meiner Karriere gestohlen, getrunken, Drogen genommen und ein Schaf entführt. Sorry für alles."
- John Hartson, walisischer Fußballer

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