MAINZ 05 : „Ich bin Diener und nicht der König“ aus FAZ (Rund um Fußball)

Weizen05 @, Friday, 13. October 2017, 09:15 (vor 9 Tagen) @ strombergbernd

Vor allem die Entscheidung des AR sich gegen den Vorschlag von Kaluza und Schröder zu stellen die langjährigen Geschäftsführer Dag Heydecker und Christopher Blümlein in den Vorstand zu berufen, erschließt sich mir überhaupt nicht.


Mir schon. Ich find's auch gut. Und verdammt richtig.


Was ich mich frage ist, was macht ein Vorstandsmitglied für Finanzen, PR, Personal, was nicht auch die Geschäftsführer für diese Aufgaben machen? Oder um mal an den Main zu schauen: Was machen der Vorstand Sport Fredi Bobic und der Sportdirektor Bruno Hübner bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG? Was macht der eine, was der andere nicht macht?

Das wäre eine Frage, die man sich akut stellen müsste, wenn man einfach die zwei Geschäftsführer "hochzieht".
Eines der Argumente für die Reform war ja, die an und für sich absurde Situation zu beenden, dass einem achtköpfigen Vorstand eine vierköpfige Geschäftsführer-Riege unterstellt war. Man ist richtigerweise auf die Idee gekommen, dass der Vorstand zu groß und die Zahl der Geschäftsführer angemessen ist, und nicht etwa umgekehrt. Mainz 05 ist auch kein multinationaler Konzern, wo man für jeden Kontinent einen eigenen Vorstand bräuchte. Ich sehe von da her eigentlich gar keinen Grund, Argumente zu liefern, dass ein Dreier-Vorstand besser ist als ein Vierer-Vorstand. Auch gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen der Personen ist dafür kein Argument, eher im Gegenteil. Wenn man so gut miteinander auskommt, sollte man das in jeder organisatorischen Konstellation können.

Es gibt ja auch kein Kommunikationsverbot zwischen Geschäftsführer- und Vorstandsebene. Man muss nicht im selben Gremium hocken, um miteinander zu reden und einander zuzuhören. Man kann z.B. auch problemlos nach Bedarf informelle Sitzungen des Vorstands mit der Leitungsebene darunter abhalten, wenn der Bedarf besteht. Genau so etwas klappt aber umso besser, je stärker man der Versuchung widersteht, eine Ebene (oder beide) unnötig personell aufzublähen. Das ist für mich der entscheidende Punkt: Bei jedem zusätzlichen Posten sollte die Frage sein: Brauchen wir den wirklich oder ist es bloß Gefälligkeitsdenken? Dass der Aufsichtsrat (und sei es nur in Person des AR-Chefs) dazwischen haut, wenn der Vorstand schon wieder anfängt, zusätzliche Mitglieder einfach kooptieren zu wollen, ist schon eher ein Zeichen, dass wesentliche Mechanismen funktionieren und mit der Reform tatsächlich etwas Neues angefangen hat. Das finde ich tendenziell schon eher gut, Höhne hin oder her. :-)

Noch grundsätzlicher halte ich das Thema ein bißchen für überbewertet hinsichtlich eines angeblich vorhandenen internen Konfliktpotenzials. Ich denke, sowohl Kaluza/Schröder mit dem Vierer-Vorstand als auch Höhne/Aufsichtsrat mit der extern besetzten Dreierlösung auf der anderen kann man unterstellen, mit ihrer Position mittelfristig dieselben Ziele zu verfolgen und lediglich in der Frage der geeigneten Mittel verschiedener Ansicht zu sein: Einerseits wollen sie so viel wie nötig zu verändern, damit die neuen Organe gut und vor allem gut miteinander arbeiten können, und andererseits so wenig wie möglich, damit nicht auch noch Knirschen in Getriebe kommt, die momentan eigentlich ziemlich reibungslos laufen. So wirkt das zumindest auf mich. Und dann ist die Entscheidung, der Versuchung zu widerstehen, den einfachen Weg (die interne Zweierlösung) zu gehen und das langfristig vielleicht "Richtigere" zu tun und dabei ein paar ungute Präzedenzen (Vorstand kooptiert und AR nickt ab) zu vermeiden, auch kein Drama mehr. Ich muss ja Kaluza und Schröder nicht für blöd halten, weil sie sich so positioniert haben - aber die Argumente, die mir zur Gegenposition einfallen, sind einfach überzeugender, gerade, wenn man mal versucht, etwas langfristiger zu denken. Ich wiederhole mich, weil's stimmt: Schlimmer als ein starker Aufsichtsrat ist ein schwacher Aufsichtsrat. Das ist ein Gedanke, an den man sich nicht früh genug gewöhnen kann. Wer das Negativbeispiel braucht: Siehe K-Town.

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Wir alle, wir kotzen, wir kotzen im Strahl!


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